CFP: "DIS(S)-CONNECT I - Wie Medien uns trennen und verbinden" Mainz

CFP: "DIS(S)-CONNECT I - Wie Medien uns trennen und verbinden" Mainz

Interdisziplinäre Doktorand*innen-Tagung am Institut für Film,-Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft (FTMK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 25.–27. April 2019

Deadline: 15.02.2019

In den Kultur- und Sozialwissenschaften wird auf vielfältige Weise auf Phänomene des Medialen Bezug genommen; gleichzeitig werden dazu aber ganz unterschiedliche Konzepte genutzt. So treffen auch am Institut für Film-, Theater-, Medien- und Kulturwissenschaft (FTMK) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, dem die Verfasser*innen dieses Calls angehören, unterschiedliche Perspektivierungen aufeinander: Während die dortige Filmwissenschaft unter anderem erforscht, wie technologische Dispositive in ein mediales Spannungsfeld aus Semiotik, Rezeptionsästhetik und Nutzungssubjekt geraten, bezieht sich die Theaterwissenschaft auf die Definition des Theaters als ein räumliches (Rahmen-)Medium oder die Schauspieler*innen als (leibliche) Medien. Die Medienkulturwissenschaft erweitert diesen Medienbegriff, indem auch Praktiken und Operationen sowie Umwelten und heterogenen Netzwerken aus (nicht-)menschlichen Akteuren Medialität zugesprochen und so der Mensch in seiner anthropomedialen Verfasstheit sichtbar wird. Die Kulturanthropologie wiederum beschreibt vor allem die Mediennutzung und deren Alltagsbezug und versteht Medien als kulturelle Bedeutungsträger ihrer Produzent*innen und Rezipient*innen. An diesem gemeinsamen und gleichzeitig divers umgesetzten Interesse am Medialen möchten die Doktorand*innen des Instituts, die im Austausch über ihre Dissertationsprojekte oft mit jener Diversität konfrontiert sind, ansetzen und zur Disposition stellen, wie sich unterschiedliche Disziplinen diesbezüglich gegenseitig ergänzen und erweitern können.

 

Unter dem Titel DIS(S)-CONNECT soll daher ein Doktorand*innen-Netzwerk entstehen, in dem sozial-, kunst- und (medien)kulturwissenschaftlich arbeitende Nachwuchsforscher*innen in interdisziplinären Austausch treten können. Im Format eines Onlineblogs sollen dazu verschiedene Möglichkeiten eingerichtet werden, zu Forschungsthemen langfristig in Kontakt zu bleiben: erste Texte vorzustellen und zur Diskussion freizugeben, Diskussionsrunden zu eröffnen oder gemeinsam an thematischen Bibliografien zu arbeiten sowie Projekte und Vernetzungstreffen zu initiieren. Ziel des Netzwerks ist somit ein nachhaltiger und fächerübergreifender Austausch, der die Möglichkeiten digitaler Medien nutzt und wissenschaftlich fruchtbar macht. Die Auftaktveranstaltung des DIS(S)-CONNECT-Netzwerks findet in Mainz statt und widmet sich den trennenden und verbindenden Effekten des Medialen: Im Rahmen einer Tagung mit Workshop-Charakter sollen Forschungsprojekte vorgestellt und diskutiert werden. Ebenso bietet die Tagung Raum für den Austausch über Erfahrungen mit Veröffentlichungspraktiken, für die Bestandsaufnahme bereits bestehender fachspezifischer Netzwerke sowie für Gespräche über langfristige berufliche Perspektiven in der Wissenschaft. Inhaltlich setzen wir uns mit Fragen hinsichtlich theoretischer Konzepte der Medialität sowie mit konkreten Phänomenbereichen des Medialen auseinander. Dafür möchten wir vier exemplarische Begriffe zur Perspektivierung vorschlagen, die als paradigmatisch für die trennenden und verbindenden Prozesse von Medien begriffen werden: Körper, Raum, Immersion und Performativität.

 

1.      KÖRPER

In den 1970er Jahren wurde der Körper als zentrale Kategorie gesellschaftlichen Handelns wiederentdeckt. Während Theoretiker*innen wie Plessner, Elias oder Foucault Überlegungen zur kulturellen Konstruktion des Selbst durch die Selbstzensur und Affektkontrolle sowie zur Disziplinierung des Körpers anstellten und ihn damit selbst als historisches, soziales und kulturelles Konstrukt definierten, versuchen zeitgenössische Theorien zur Performativität darüber hinaus, die vermeintlich natürlichen Gegebenheiten des Körpers als soziale Konstruktionen zu entschleiern (Butler, Waldschmidt). Der Körper wird als Produkt und Produzent gesellschaftlicher Ordnung reflektiert. Zu fragen wäre:

·        Wie kann der menschliche Körper innerhalb einer (sozialen oder künstlerischen) Situation als Medium fungieren? 

·        Wie verändert sich der Körperbegriff durch die technischen Innovationen und den digitalen Wandel des 21. Jahrhunderts? 

 

2.      RAUM

Spätestens mit dem Spatial Turn hat sich die Einsicht etabliert, dass Raum nicht einfach ist, sondern durch Akteure und Praktiken erst relational hervorgebracht und transformiert wird. Räumlichkeit erscheint damit als eine per se mediale Qualität, sodass sich ein zentrales Erkenntnisinteresse auf die Kulturtechniken und Operationen der Raumerzeugung und -transformation richtet. Die dabei prozessierten Leitunterscheidungen wie innen/außen, eigen/fremd, sichtbar/unsichtbar usw. gehen jedoch selten restlos auf, sondern enthalten immer auch Zustände des Zwischen, des Sowohl-als-auch, des Weder-noch. Mit Blick auf diese Instabilität räumlicher Verfasstheiten ließe sich u.a. fragen:

·        Welchen historischen, sozialen, materiellen, technologischen oder ästhetischen Bedingungen unterliegen Konfigurationen des Räumlichen und wie wirken diese auf Kultur, Gesellschaft und andere Räume zurück?

·        Welche epistemologischen Konsequenzen hat ein stets relativ, dynamisch und temporär verstandener Raumbegriff als (medien)kulturwissenschaftliche Analysekategorie für den Zugriff auf konkrete Phänomene? 

 

3.      IMMERSION

Der Ende der 1990er Jahre lancierte Begriff der Immersion beschreibt zunächst ein unmittelbares, synästhetisches und intensiviertes Präsenzerleben, ein „Eintauchen in“ (Murray) eine mediale Erfahrung, welche durch eine Verlagerung der Aufmerksamkeit der Rezipient*in auf das betrachtete Artefakt gesteuert wird. Dass Immersion somit als unspezifische Erfahrungsmetapher erscheint und nicht selten als Pars pro Toto für die mediale Rezeptionsästhetik selbst verwendet wird, steht im Widerspruch zu der alltagssprachlichen Popularität des Begriffes, welche die Relevanz des Konzeptes im Zeitalter von „Medienimmanenz“ (Hagener) betont. Fragen zur Immersivität von Medien und Medienerfahrungen könnten lauten:

·        Auf welche Weise müsste der Immersionsbegriff theoretisiert werden, um ihn als ein medien- und kunstwissenschaftliches Analysekriterium fruchtbar zu machen?

·        Wie lassen sich aktuelle Entwicklungen medialer Praktiken und Kulturtechniken wie etwa technologische Neuerungen und ihr Einfluss auf Medienkonvergenz, Hybridisierung und Intermedialität als Anwendungsfelder des Immersiven beschreiben und analysieren? 

 

4.      PERFORMATIVITÄT

Subjektinteraktionen sind durch mediale Dispositive geprägt, welche performative Akte determinieren. Durch die Nutzung neuer Medien, die den Primat der leiblichen Ko-Präsenz im performativen Akt scheinbar obsolet gemacht haben, ergeben sich neue Problemstellungen hinsichtlich medial ausgeführter Aktionen. Diese lassen sich sowohl vor dem zeitgenössischen Hintergrund politischer (Sprech-)Akte, als auch in alltäglichen Subjektinteraktionen erkennen.

·        Inwiefern werden durch die spezifische Medialität rezent entwickelter technischer Medien Interkation zwischen Subjekten definiert, Handlungsspielräume erschlossen und somit ggf. weitläufigere räumliche Vernetzungen generiert?

·        Wie sind in diesem Zusammenhang Fragen nach wirklichkeitskonstituierenden Akten zu stellen? 

 Wir wenden uns mit diesem Call explizit an Nachwuchswissenschaftler*innen, die in ihren Dissertationsprojekten mit mindestens einem der vier Begriffe arbeiten und diesbezüglich interdisziplinär in Austausch treten möchten. Die Vorträge sollten eine Länge von jeweils 20 Minuten nicht überschreiten. Im Sinne der institutionellen Vernetzung streben wir an, dass sich die Teilnehmer*innen zu gleichen Teilen aus dem Umfeld der JGU Mainz – insbesondere des FTMK und des Gutenberg Nachwuchskollegs – und aus anderen Forschungseinrichtungen oder freien Promovierenden der Kultur-, Medien- und Sozialwissenschaften zusammensetzen.

Wir freuen uns auf Abstracts mit einer Länge von max. 300 Wörtern bis zum 15. Februar 2019. Für Nachfragen stehen wir als Organisator*innen der Tagung und stellvertretend für unsere jeweiligen Fächer gerne zur Verfügung: Filmwissenschaft – Laura Katharina Mücke (lamuecke@uni-mainz.de); Theaterwissenschaft – Yana Prinsloo (yprinsl@unimainz.de) und Dominic Zerhoch (zerhoch@uni-mainz.de); Medienkulturwissenschaft – Franziska Reichenbecher (franziska.reichenbecher@uni-mainz.de); Kulturanthropologie/Volkskunde – Dominique Conte (conte@uni-mainz.de).

 

Die Übernahme der Reise- und Übernachtungskosten für die Referent*innen wird angestrebt.

CFP, News, ResearchStefanie Alisch