CfP: Internationales Symposium: Musikalische Schnittstellen: Gender | Digitalität | Erinnerung (11.-12. März 2027, Graz), Deadline: 15.11.2026

Das Institut für Ethnomusikologie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz lädt Sie ein zum Internationalen Symposium "Musikalische Schnittstellen"

Zeit und Ort
11. - 12. März 2027
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG)

Der Aufstieg sozialer Medien und digitaler Plattformen hat die Art und Weise, wie Musik und Tanz geschaffen, zirkuliert, erlebt und erinnert werden, tiefgreifend verändert. Musikalische Praktiken lassen sich nicht mehr als ausschließlich physisch oder ausschließlich digital begreifen. Vielmehr handelt es sich um hybride Erfahrungen, die untrennbar mit den technologischen Infrastrukturen verbunden sind, die sie ermöglichen. In einem Kontext, der von der wachsenden Verflechtung physischer und digitaler Räume geprägt ist, werden musikalische und tänzerische Praktiken, Technologien und körperliche Ausdrucksformen zunehmend auf komplexe Weise miteinander verschränkt. Dadurch entstehen neue Dynamiken kultureller Produktion, Teilhabe, Identitätsbildung und kollektiven Erinnerns. Plattformen wie TikTok, YouTube, Instagram und Musik-Streamingdienste eröffnen beispiellose Einblicke in das Privatleben und die Karrieren von Künstler:innen und Creator:innen und fördern zugleich aktive Formen der Publikumsbeteiligung durch Kommentare, Remixes, virale Challenges, Duette, Memes und audiovisuelle Interaktionen. Digitale Plattformen prägen in wachsendem Maße Kommunikation, soziale Netzwerke und kulturelle Praktiken. Sie beeinflussen, wie Subjektivität sowie Zugehörigkeits- und Ausschlusserfahrungen entstehen, und wie Musikkulturen im Laufe der Zeit erinnert, archiviert und neu gedeutet werden.

Performer:innen und Publikum verhandeln musikalische Identitäten kreativ, indem sie spezifische und zugleich vielfältige klangliche, symbolische und performative Praktiken kombinieren und so soziokulturelle Vorstellungswelten von Zugehörigkeit reflektieren. Zugleich sind digitale Räume zu privilegierten Orten der Performanz kollektiver Erinnerungen geworden. Musikalische Aufführungen, Künstler:innen und Gemeinschaften werden in digitalen Ökosystemen fortlaufend dokumentiert, zirkuliert, remixt und archiviert – und damit die Weise, wie musikalische Vergangenheiten erinnert werden, neu gestaltet. Diese Prozesse sind zutiefst von Genderkonstruktionen geprägt. Digitale Medien sind weder ein unparteiisches Archiv noch ein neutraler Raum der Partizipation. Plattformen beeinflussen, wessen Stimmen, Körper und Performances erinnerungswürdig und maßgeblich werden, während andere marginalisiert oder ausgeschlossen bleiben. Gender-Identitäten werden daher nicht nur durch musikalische und tänzerische Performances selbst, sondern auch durch Praktiken der Dokumentation, Zirkulation, Archivierung und des Erinnerns verhandelt. Auf diese Weise können digitale Erinnerungskulturen historische Ungleichheiten sowohl reproduzieren als auch dominante Normen herausfordern und neue Räume der Sichtbarkeit eröffnen.

Zugleich bringen Praktiken der digitalen Bewahrung neue Hierarchien und Machtformen hervor und werfen komplexe Fragen nach Datenbesitz und -schutz, Urheberrecht, Desinformation, algorithmischer Voreingenommenheit sowie der Persistenz archivarischer Leerstellen auf. Die wachsende Rolle von Plattformen bei der Gestaltung kultureller Erinnerung regt eine kritische Reflexion darüber an, wer digitale Archive kontrolliert, welche Musikgeschichten kollektiv erinnert werden und welche ungehört oder vergessen bleiben. Vor diesem Hintergrund untersucht das Symposium die komplexen Beziehungen zwischen musikalischen und tänzerischen Praktiken, digitalen Technologien, Geschlecht und kollektiver Erinnerung. 

Wir laden Beiträge ein, die analysieren, wie digitale Plattformen die Weisen verändern, in denen Musikkulturen die Vergangenheit erinnern, die Gegenwart aushandeln und die Zukunft imaginieren. Wir begrüßen interdisziplinäre Perspektiven, unter anderem aus der Ethnomusikologie, Historischen Musikwissenschaft, Popmusikforschung, Tanzwissenschaft, Gender Studies/Geschlechterstudien, Medienwissenschaft, Digital Humanities, Anthropologie, Soziologie und Erinnerungsforschung.

Call for Papers

Download Call for Papers (deutsch) als pdf
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DEADLINES
Vorschläge und Abstracts sind bis zum 15. November 2026 zu senden an: juan.bermudez[at]kug.ac.at

Organistator:innen

Juan Bermúdez – Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG)
Martin Ringsmut – Universität Wien
Constanza Toledo – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw)

CFP, NewsHelene Heuser