Talk: Tanz den Sozialismus – Musik und Politik im Kalten Krieg. Wissenschaft im Theater: Eine Soirée. (21.3.2026, Berlin)
Tanz den Sozialismus. Musikpolitik im Kalten Krieg / Wissenschaft im Theater: Eine Soirée
Auf Basis eines Archivfundes haben die Theatermacher Lothar Berndorff und Janette Mickan mit dem Ensemble LUNATIKS im Berliner Theater TD ein Stück mit Live-Musik und Tanz erarbeitet. Die Soirée des Berliner Kollegs Kalter Krieg bringt die artistic research der Theatermachenden mit aktuellen Projekten junger Forschender über die geheime Musikforschung der DDR ins Gespräch, gefolgt von einer Sondervorstellung und einem DJ-Set in der TD-Lounge als Ausklang. Anmeldung zur Teilnahme ist unbedingt erforderlich (siehe unten).
Termin: Samstag, 21. März 2026
Ort: TD Berlin im ehem. Fernmeldeamt der DDR, Klosterstraße 44, Aufgang rechts, 2. OG, 10179 Berlin
17:30 Einlass
18:00 Podiums-/Publikumsdiskussion
Tanz den Sozialismus: Musik und Politik im Kalten Krieg
(Eintritt für angemeldete Gäste frei, Platzreservierung erforderlich, Info s.u.)
Franziska Kuschel (Bundesstiftung Aufarbeitung): Begrüßung
Bodo Mrozek (Berliner Kolleg Kalter Krieg/IfZ):
Sensory Warfare. Musik und Klang als Mittel der Konfliktführung (Einführung)
Unter Sonic Warfare versteht der Klangforscher und DJ Steve Goodman aka Kode9 den Einsatz von Schall, aber auch Musik zu Zwecken der Konfliktführung. Seinen Begriff hat kürzlich der am Berliner Kolleg Kalter Krieg entstandene internationale Band über Sensory Warfare in the Global Cold War. Partition – Propaganda – Covert Operations (PSU 2024/26) erweitert, wobei ebenfalls Musik eine Rolle spielt: an der deutsch-deutschen Grenze, an der aquatic frontier zwischen China und Taiwan oder im gegenwärtigen Ballon-Krieg zwischen Nord- und Südkorea. Der Beitrag führt knapp in Begriffe, Themen, historische und aktuelle Bezüge ein und stellt das Panel vor.
Inputs (jeweils 10 Min.):
Christopher Klauke (Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin):
Popmusik als ‚Gehirnwäsche‘: Zur Klangpolitik der DDR-Musikwissenschaft (1957-1972)
Der Beitrag beleuchtet ein wenig bekanntes Kapitel ostdeutscher Popgeschichte: Im Fokus der Ende der 1950er Jahre an der Humboldt-Universität zu Berlin begonnenen Popforschung standen westdeutsche und US-Schlager, die mit kybernetischen Analyseverfahren auf ihre psychomusikalischen Wirkmechanismen untersucht wurden. Der Verdacht: Schlager als Werkzeug ideologischer Gehirnwäsche auf die Jugend der DDR. Gleichzeitig fungiert diese Forschung als Grundlage für die Planung einer DDR-Pop-Musik der Zukunft. Die Analysen sollten Parameter bestimmen, um eine genuin sozialistische Tanz- und Unterhaltungsmusik zu kreieren.
Janette Mickan & Lothar Berndorff (Buch & Regie):
Die „Lauchhammer-Files“. Vom Aktenfund zum Theaterstück (artistic research)
Ein Aktenfund im Archiv und narrative Interviews mit Menschen aus Lauchhammer und dem ländlichen Raum in Sachsen und Brandenburg dienen dazu, das Fiktive im Realen zu finden. Unter artistic research verstehen wir den Prozess der Refiktionalisierung dokumentarischen Materials – die literarische Überschreibung durch Schauspielerinnen und Musiker. Entstanden ist ein doku-fiktionales, partizipatives Bühnenstück mit Live-Musik und Tanz im Sinne eines künstlerischen Reenactments, das zeithistorische Problematiken sicht- und hörbar und somit erfahrbar macht.
Christina Dörfling (Humboldt Universität zu Berlin):
Vom Giftschrank zur Phonothek: Die Tape Sammlung westlicher Popmusik der Ost-Berliner Humboldt-Universität (1980er Jahre)
Dass an der Humboldt-Universität zu (Ost-)Berlin in den 1980er Jahren das erste Forschungszentrum für populäre Musik im deutschsprachigen Raum gegründet wurde, scheint paradox – denn erforscht wurde hier Rock- und Popmusik, die es in der DDR offiziell nicht gab. Inoffiziell gab es aber eine rege Kultur des Kopierens und Überspielens von Tapes und Kassetten, die auch von Uni-Mitarbeitenden praktiziert wurde. So wurden selbst erstellte Aufnahmen in der Phonothek seit den späten 1960ern systematisch gesammelt und lieferten einem neuen Forschungsfeld die Materialgrundlage – populäre Musik.
Podiumsdiskussion & Publikumsfragen
19:15 Pause (Musik und Getränke im Foyer/Umbau auf der Bühne)
20:00 Theatervorstellung „Die Lauchhammer Files“
(Kartenreservierung erforderlich, 21 Euro/ermäßigt 11, Info s.u.)
22:00-0:00 Lipsi meets Cold War Modern Sounds (Eintritt frei, keine Anmeldung nötig)
Schallplattenunterhaltung in der TD-Lounge von DJ Cpt. Twist & friends
Begrenzte Plätze: Anmeldung für die Soirée (gratis) unter BKKK@ifz-muenchen.de erforderlich. Bitte geben Sie unbedingt an, ob Sie Karten für das anschließende Theaterstück reservieren wollen (21 Euro, ermäßigt 11, inkl. VVK), vorab zahlbar nach Aufforderung durch TD per mail.
Programmflyer zum Download: https://www.ifz-muenchen.de/veranstaltungen/veranstaltungen/termin/tanz-den-sozialismus-musikpolitik-im-kalten-krieg
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