CfP: WHO CARES? Musik und Elternschaft im Kontext institutioneller und gesellschaftlicher Verantwortung (09.-10.06.2027, mdw Wien) Deadline: 30.10.2026
Call for Abstracts
WHO CARES?
Musik und Elternschaft im Kontext institutioneller und gesellschaftlicher Verantwortung
Mittwoch, 9. Juni 2027 + Donnerstag, 10. Juni 2027
mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Fanny Hensel-Saal
Kinder sind unsere Zukunft. Menschen, die bereit sind, Kinder zu bekommen oder aufzunehmen und großzuziehen, tragen eine hohe Verantwortung und leisten einen existenziell-wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Das Wohlergehen beider – Kinder wie Eltern – muss daher einer Gesellschaft am Herzen liegen.
Dennoch werden Elternschaft und die damit einhergehende, langjährige Übernahme von Care-Arbeiten häufig als eine mit dem Beruf und der Karriere konkurrierende oder gar unvereinbare „Privatangelegenheit“ aufgefasst – so auch im Kontext der künstlerischen Ausbildung und beruflichen Praxis im Musikfeld. Die Arbeitstagung „Who cares? Musik und Elternschaft im Kontext institutioneller und gesellschaftlicher Verantwortung“ nimmt dieses Verständnis kritisch in den Blick, erkundet seine historische Genese und normative Kraft und hinterfragt die individuellen und strukturellen Bedingungen, unter denen Elternschaft heute im Musikstudium und in Musikberufen realisiert und gelebt wird.
Dabei stehen im neoliberal geprägten Musikfeld tätige Eltern und Personen mit Care-Verant-wortung vor spezifischen Herausforderungen im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Projektbasierte und prekäre Arbeitsformen, mangelnde soziale Absicherung, unregelmäßige Arbeitszeiten und hohe Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen sind die Regel. Im Zentrum unserer Tagung stehen daher Fragen nach der Zugänglichkeit, den Teilhabemöglichkeiten und der Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf sowie nach der institutionellen Verantwortung, die Hochschulen und Kulturinstitutionen in diesem Kontext zukommt.
Besonderes Augenmerk wird dabei auf die ungleiche Verteilung von Arbeitsaufgaben nach Geschlecht gelegt, die empirische Studien kontinuierlich belegen: Frauen und Mütter übernehmen nach wie vor einen Großteil der reproduktiven, unbezahlten Arbeit, die zulasten ihrer beruflichen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten geht, wobei Alleinerziehende, queere Familienkonstellationen sowie mehrfach marginalisierte Personen – etwa entlang von Ethnizität, Migration oder Behinderung – besonders stark von Mehrarbeit und strukturellen Ausschlüssen betroffen sind und soziale Benachteiligungen erfahren.
Im Zuge der Tagung werden Elternschaft und Care-Arbeit nicht als ein individuelles „Problem“ thematisiert, sondern als eine wichtige, verantwortungsvolle gesellschaftliche Aufgabe, die der solidarischen Unterstützung in Ausbildung und Beruf bedarf und institutionelle Verantwortung einfordert. Auf Basis wissenschaftlicher Daten und Analysen sowie künstlerischer Reflexionen soll ein breiter Erfahrungsaustausch zwischen Studierenden, Lehrenden, Künstler*innen, Forschenden sowie Akteur*innen aus Hochschulentwicklung, Gleichstellungsarbeit und Verwaltung Raum gegeben werden, verbunden mit dem Ziel, aktuell bestehende Beobachtungen und Herausforderungen benennen, gegebene Rahmen-bedingungen diskutieren und gemeinsam Perspektiven für care-sensible Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen im Musikfeld entwickeln zu können.
Wir freuen uns über Abstracts zu folgenden Themen:
Erfahrungsberichte und Praxisreflexionen von Eltern in stilistisch unterschiedlichen Musikfeldern und/oder in der Musikausbildung
Künstlerische Reflexionen von Elternschaft und Care-Arbeit
Un-/Vereinbarkeit von Musikausbildung bzw. Musikberuf und Familie – gestern und/oder heute
Rückwirkungen neoliberal geprägter Musikausbildungs- und -arbeitszusammenhänge auf das Familienleben, Auffassungen und Re-Definitionen von „Arbeit“ in spätmodernen Gesellschaften
Soziale Lage von Musikstudierenden, Musikschaffenden und Musikpädagog*innen mit Betreuungspflichten
Soziale Ungleichheit, Diskriminierungserfahrungen (u.a. entlang von Geschlecht, ethnischer und sozialer Herkunft, Behinderung, Religion) und strukturelle Benachteiligungen und Ausschlüsse von Erziehungsberechtigten im Musikfeld
Alltagspraxis in unterschiedlichen Familienmodellen (Patchwork, Mehrelternschaft, queere Familien, soziale Elternschaftsmodelle, Klein- und Großfamilien)
Handlungsspielräume von Politik, (Musik-)Hochschulen und Universitäten sowie von Kulturinstitutionen (z.B. care-sensible Studienorganisation und Hochschulentwicklung, Kinderbetreuungsinfrastrukturen etc.), Diskussion institutioneller Verantwortlichkeiten
Strategien und Best Practice-Beispiele für care-sensible Strukturen im Musikfeld und in den Wissenschaften
Auch Beiträge, die im Kontext des Tagungsthemas weitere Perspektiven eröffnen oder neue Fragestellungen aufwerfen, sind willkommen.
Beitragsformate
Neben klassischen wissenschaftlichen Vorträgen (20 Minuten + 10 Minuten Diskussion) sind auch andere Formate möglich und ausdrücklich erwünscht, zum Beispiel:
Lecture-Performances
Panels
Workshops
Praxisreflexionen
künstlerische Beiträge
dialogische Formate
Die Konferenz begrüßt insbesondere Formate, die Erfahrungswissen sichtbar machen und breiten Austausch – über musikalische Genres, Herkünfte, Professionen, Alters- und Karrierestufen hinweg – ermöglichen.
Einreichung
Bitte senden Sie Ihr Abstract (max. 300 Wörter) sowie eine kurze biografische Notiz (max. 150 Wörter) bis zum 30.10.2026 per Mail an Irene Poandl: poandl[at]mdw[at]ac[at]at
Bei alternativen Formaten beschreiben Sie bitte zusätzlich kurz das geplante Format und den Ablauf.
Weitere Informationen
Die Konferenz wird in deutscher Sprache stattfinden.
Eine Open-Access-Publikation mit ausgewählten Beiträgen ist geplant.
Für allfällige Rückfragen zur Veranstaltung kontaktieren Sie uns bitte unter dieser Adresse: ggd[at]mdw[dot]ac[dot]at
Konzeption & Organisation
Magdalena Fürnkranz – ipop – Institut für Popularmusik und
Sarah Chaker – Zentrum für integrative Musikforschung am Institut für musikpädagogische Forschung und Praxis in Kooperation mit
Ulli Mayer – GGD – Gleichstellung, Gender & Diversität sowie
Gerda Müller – Vizerektorat für Organisationsentwicklung und Diversität der mdw