CfP: Konferenz »Populäre Musik und Nachkriegszeiten. Zwischen kultureller Selbstvergewisserung, Unterhaltung und Verdrängung (1945–1960)« 27.-28.11.2026, ZPKM Freiburg (Deadline: 30.04.2026)

Wie formen Nachkriegszeiten populäre Musik und wie formt populäre Musik Nachkriegszeiten? Diesen Fragen widmet sich die Tagung am Beispiel der deutschen Entwicklungen zwischen 1945 und 1960. Populäre Musik wurde in dieser historischen Konstellation von den vier Besatzungsmächten als kulturpolitisches Instrument betrachtet, um die deutsche Gesellschaft nach postfaschistischen Werten zu formen. Menschen nutzten populäre Musik zudem als Medium, um kollektive Identität und Gemeinschaft zu vermitteln, aber auch Emotionen wie Verlust, Trauer und Schuld zu artikulieren – oder zu verdrängen. Populäre Musik diente ferner zur Unterhaltung und trug als Ware nicht zuletzt zum sogenannten „Wirtschaftswunder“ bei. Ebenso prägend wie die populäre Musik für die Nachkriegszeit nach 1945 war, so formte auch umgekehrt die Nachkriegszeit die populäre Musik: Mit dem Nachkriegs- oder Wirtschaftswunderschlager entwickelte sich ein eigenes Genre, während Musikstile wie Jazz eine gesellschaftliche Aufwertung erfuhren und durch angloamerikanische Musik ganz allgemein die Internationalisierung von Kultur wie Gesellschaft befördert wurde.

Die Tagung zielt ausgehend von den Entwicklungen zwischen 1945 und 1960 darauf ab, Einsichten in die Wechselwirkungen zwischen populärer Musik und Nachkriegszeiten zu geben. Unter Nachkriegszeiten werden Situationen sowie Modi menschlichen Deutens und Handelns verstanden, in denen der Krieg zwar als beendet gilt, er aber weiterhin gegenwärtig bleibt.

Leitend für die Auseinandersetzung der Tagung mit populärer Musik und Nachkriegszeiten sind drei Perspektiven:

Funktionen und Bedeutungen von populärer Musik in/für Nachkriegszeiten
- Wie wirkt populäre Musik daran mit, dass Nachkriegszeiten als solche wahrgenommen und erfahren werden?
- Welche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen werden mit populärer Musik in Nachkriegszeiten verbunden (bspw. im Kontext der „Re-Education“ in der US-amerikanischen Besatzungszone nach 1945)?
- Wie erleben und deuten unterschiedliche soziale Gruppen Nachkriegszeiten mithilfe populärer Musik (bspw. die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nach 1945 oder
Vertriebene aus Osteuropa)?
- Welche Rolle spielt populäre Musik für soziokulturelle bzw. sozialpsychologische Prozesse wie Selbstvergewisserung, Vergemeinschaftung, Verdrängung oder Traumabewältigung in Nachkriegszeiten?

Populäre Musik unter den Bedingungen von Nachkriegszeiten
- Wie wird populäre Musik unter den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen von Nachkriegszeiten hergestellt, verbreitet und erlebt (etwa in den westlichen und der sowjetischen Besatzungszone(n) bzw. der späteren BRD und DDR)?
- Welche Kontinuitäten, Brüche und Transformationen lassen sich in den Produktions-, Distributions- und Rezeptionskontexten populärer Musik in Nachkriegszeiten finden, gerade vor dem Hintergrund politischer Systemwechsel (bspw. der Umgang mit dem NS-Regime bzw. der NS-Ideologie nach 1945)?
- Welche (Neu-)Bewertungen erfahren Genres populärer Musik im Angesicht von Nachkriegszeiten (bspw. Aufwertung von Jazz und Problematisierung von Volksliedern nach 1945)?

Verhandlung von Nachkriegszeiten in populärer Musik
- Wie werden Nachkriegszeiten in populärer Musik klanglich, textlich und ästhetisch thematisiert – und damit konstruiert (bspw. im Nachkriegsschlager „Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien“ von 1948)? Welche Emotionen und Affekte werden dabei artikuliert? Gibt es Unterschiede zu anderen Musik- oder Kunstformen?
- Welche kulturellen Figurationen von Nachkriegszeiten werden durch populäre Musik hervorgebracht (bspw. Sieger, Besiegte, Überlebende, Opfer)?
- Wie werden Nachkriegszeiten in der populären Musik durch Bezugnahme auf Vor- und Kriegszeiten konturiert (bspw. im „Weltjugendlied“ von 1947 oder in der Filmmusik von „Wir Wunderkinder“ von 1958)?

Erbeten werden Beiträge, die sich mit solchen und ähnlichen Fragestellungen befassen. Obgleich sich die Tagung auf Deutschland zwischen 1945 und 1960 konzentriert, sind ausdrücklich komparatistische Beiträge erwünscht, welche die Auseinandersetzung um diachrone und synchrone Perspektiven erweitern.

Das Tagungskonzept sieht max. 30 Minuten Vortragszeit und 15 Minuten Diskussionszeit vor. Senden Sie Ihre Vortragsvorschläge (max. eine Seite) mit einer Kurzvita bitte bis zum 30. April 2026 an laura.steinhaus[at]zpkm[dot]uni-freiburg[dot]de und michael.fischer[at]zpkm[dot]uni-freiburg[dot]de (bitte an beide E-Mailadressen).

Die Tagung wird vom Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg (ZPKM) ausgerichtet und findet in Kooperation mit der Forschungsgruppe „Nachkriegszeiten: Pluralität – Temporalität – Re/Konstruktionen“ des Freiburg Institute for Advanced Studies statt.

Das ZPKM bemüht sich, (Nachwuchs-)Forschenden ohne institutionelle Anbindung einen Reisekostenzuschuss zu gewähren. Bitte geben Sie uns einen entsprechenden Hinweis bei der Einreichung Ihres Vortragsvorschlages. Eine Auslagenerstattung für alle Referent:innen ist aufgrund der Haushaltslage der Universität Freiburg leider nicht möglich.

Nähere Informationen finden sich hier.

CMP, NewsHelene Heuser