CfP: Internationale Musikwettbewerbe: Schnittfelder von Kunst, Gesellschaft und Politik (7.–8.04.2027, mdw Wien) Deadline: 15.10.2026
CALL FOR PAPERS
Internationale Musikwettbewerbe: Schnittfelder von Kunst, Gesellschaft und Politik
Workshop (7.–8. April 2027, Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)
in Vorbereitung eines Special Issues (Journal of Musicological Research)
Konzeption & Organisation: Dr. Bianca Schumann (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)
„Le producteur de la valeur de l’œuvre d’art n’est pas l’artiste mais le champ de production“. Mit diesem Ausspruch bringt Pierre Bourdieu seine Theorie der engen Verflechtung von künstlerischem Wert mit sozialen wie institutionellen Strukturen in Les Règles de l'art 1992 prägnant auf den Punkt. Der in diesem Zitat zur Formel verdichtete sozialwissenschaftliche Zugriff auf die Bedingungen künstlerischer Wertzuschreibung hat auch in der kulturwissenschaftlich akzentuierten Musikwissenschaft Spuren hinterlassen. Dies zeigt sich darin, dass bei der Reflexion musikkultureller Praktiken und musikästhetischer Normvorstellungen zunehmend auch der Berücksichtigung gesellschaftlicher, politischer und institutioneller Zusammenhänge Bedeutung beigemessen wird.
Auch für die Beschäftigung mit internationalen Musikwettbewerben erscheint eine kultursoziologisch informierte Herangehensweise aufschlussreich. Denn bei Musikwettbewerben handelt es sich um musikkulturelle Räume, in denen (ästhetische) Urteile über künstlerische Leistungen in institutionell geregelten Verfahren ausgehandelt werden, die ihrerseits maßgeblich durch soziale und politische Kontexte geprägt sind. Musikwettbewerbe treten somit zwar vordergründig als Beurteilungsstätten künstlerischer Exzellenz in Erscheinung, sie sind dabei aber immer zugleich auch Schaubühnen gesellschaftlicher Wertvorstellungen und kultureller Repräsentation.
Die zahlreichen Jubiläen, die einige international renommierte Musikwettbewerbe im Jahr 2027 begehen, markieren ergiebige Ausgangspunkte, um die Auseinandersetzung mit internationalen Musikwettbewerben weiter zu vertiefen. So jährt sich 2027 etwa die erste Austragung des International Chopin Piano Competition zum 100. Mal. Das 65-jährige Bestehen des Van Cliburn International Piano Competition und das 50-jährige Jubiläum des Sydney International Piano Competition führen zudem vor Augen, wie sich die Kultur internationaler Musikwettbewerbe längst auch über die Grenzen Europas und sich somit als globales Phänomen etabliert hat. Dies spiegelt sich zuletzt auch in der World Federation of International Music Competitions wider, deren 70-jähriges Jubiläum ebenso in das Jahr 2027 fällt.
Vor diesem Hintergrund widmet sich der Workshop der interdisziplinären und -sektionalen Beschäftigung mit internationalen Musikwettbewerben der letzten 100 Jahre als Schnittfelder von Kunst, Gesellschaft und Politik, wobei in Bezug auf geographische Räume keine Grenzen gesetzt sind.
Mögliche Themenfelder sind:
Politische Kontexte: Kulturpolitik und geopolitische Konflikte; internationale Repräsentation und nationale Profilbildung; Globalisierung und Renationalisierung.
Soziale Strukturen und Karriereentwicklung: Soziale Selektion (Geschlecht, Klasse, Herkunft); Professionalisierung und Sichtbarkeit
Ästhetische Bewertung: Bewertungskriterien und -logiken; Vergleichbarkeit musikalischer Leistungen o Repertoire: Programmgestaltung; Kanonbildung; Interpretation
Institutionalisierte Netzwerke: Transnationale Kooperationen in (geo)politischen Krisenzeiten
Medien und Öffentlichkeit: Vermittlung Interessensvertretung
Beiträge aus allen innerdisziplinären Zweigen der Musikwissenschaft sowie aus angrenzenden Disziplinen (u.a. Kulturwissenschaft, Sozialwissenschaft, Gender Studies, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft) sind für den Workshop und das Special Issue willkommen.
Der Workshop dient der Vorbereitung eines Special Issues des Double-blind Peer-Review-Journals Journal of Musicological Research. Die Ausgabe wird von Bianca Schumann herausgegeben und versammelt eine Auswahl der im Workshop präsentierten Beiträge.
Interessent:innen werden gebeten, ein Abstract (max. 250 Wörter) sowie eine Kurzbiographie (max. 120 Wörter) in deutscher oder englischer Sprache bis zum 15. Oktober 2026 an schumann-b[at]mdw[dot]ac[dot]at zu senden. Eine Rückmeldung für die Teilnahme am Workshop erfolgt bis zum 15. November 2026. Workshop-Sprachen sind Deutsch und Englisch. Der Workshop findet in Präsenz statt, begründeten Fällen kann eine hybride Teilnahme ermöglicht werden. Nachwuchswissenschaftler:innen können um finanzielle Unterstützung für Reise- und Unterkunftskosten ansuchen.
Abstracts für das Special Issue sind bis zum 15. Mai 2027 einzureichen. Sie müssen in Englisch verfasst sein. Ausgewählte Beiträge werden bis zum 15. Juni 2027 zur Ausarbeitung eingeladen. Die fertigen Artikel sind bis zum 31. Dezember 2027 einzureichen und werden planmäßig im Juli 2028 im Journal of Musicological Research publiziert.